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Staubstürme dank Monokultur?

Viele Leser werden sich noch an die Unfallmeldungen vom April 2011 erinnern: Massenkarambolage auf der A 19, zehn Tote und mindestens 97 Verletzte wegen einer plötzlich auftretenden Staubwolke. Dieses Phänomen der Staubstürme im ländlichen Bereich ist zwar nicht neu, jedoch scheint es, daß sowohl die Intensität als auch die Häufigkeit dieser Ereignisse zunimmt.
Ein Grund für diese Zunahme könnte das veränderte Landschaftsbild sein. Immer mehr Agrarflächen werden zu Monokulturen, hier zumeist Silomaisanbau, umgewandelt. Während noch vor zehn Jahren viele der landwirtschaftlich genutzten Flächen mit Getreide und Raps bebaut waren, wird von Jahr zu Jahr nun mehr Silomais für Biogasanlagen angebaut. Jeder Fitzel Ackerkrume wird umgebrochen und im Frühjahr mit Mais gedrillt. Da der Mais in großem Kornabstand und noch dazu sehr spät ausgebracht wird, liegt der Boden sogar Ende Mai noch mehr oder weniger offen da und kann bei stürmischem Wetter fortgetragen werden. Dazu kommt, daß auch die typische Knicklandschaft durch veränderte Maßnahmen der Auslichtung lückenhafter wird, da mehr und mehr Knicks in immer kürzeren Abständen auf den Stock gesetzt, d.h., bis zur Wurzel hinunter abgesägt werden.
Der Wind bekommt somit eine vergrößerte Angriffsfläche bei gleichzeitiger Reduzierung der Hindernisse. Die Folge sind erhebliche Bodenverwehungen. Auf der Fahrt von Rendsburg nach Hademarschen beispielsweise (ca. 40km) konnten insgesamt 5 schwere und zahlreiche leichte Staubstürme gezählt werden, der Wagen war nach der Fahrt mit Staub bedeckt und trotz Innenraumluftfilter lagerte sich eine feine Staubschicht auf den Armaturen ab. Die Sicht auf der Straße war teilweise stark beeinträchtigt, so, wie man es vom Nebel her kennt, Sichtweiten unter 50 Meter kamen trotz sonnigen Wetters vor.
Es ist wohl davon auszugehen, daß die Verwandlung der landwirtschaftlichen Nutzfläche in Agrarproduktionseinheiten mit Monokulturbetrieb nicht nur negative Folgen für die Gestaltung der Preise für Viehfutter und Grundnahrungsmittel hat, sondern daß die Bodenverwehungen mit Ablagerungen z.B. in Wäldern, Gewässern, Wohnsiedlungen auch für die Produktivität des Bodens von Nachteil sein werden. Der fruchtbare Boden wird hier Tonnenweise fortgetragen. Dabei wird ein nicht unerheblicher Teil der Produktionsmittel vernichtet. Die Mindererträge müssen durch verstärkten Gülleeinsatz und Zufuhr von Mineralerden ausgeglichen werden, was wiederum die Produktion verteuert. Inwieweit die Produktion von Energie in Biogasanlagen überhaupt subventionslos ertagreich sein kann, müßte eh noch unter Beweis gestellt werden. Mit der Monokultivierung der Agrarflächen jedenfalls werden Fehler gemacht, die sich noch in Jahrzehnten bemerkbar machen werden. Und so sind flotte Wanderdünen im Herzen Schleswig-Holsteins beileibe keine idystopische Utopie mehr, wenn da nicht ruckartig der Rückwärtsgang eingelegt wird.

Hier einige Bilder, aufgenommen am 24.05.2011 in der Gegend von Lütjenwestedt/Holst.:

Foto by: Olaf Francke www.blende-8-foto.de
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